Rennradfahren in der Gruppe

Dieser Blog dient der Information unserer Mitradler. Zurzeit im Aufbau!

Zusammengestellt von Ulf

Allgemeines

Benötigt wird ein technisch einwandfreies (i.d.R.) Rennrad, winddichte, atmungsaktive Kleidung, Ersatzschlauch, Pumpe, Reifenheber und ein Minitool, sowie Riegel und eine Trinkflasche (nicht aus Glas). Es besteht Helmpflicht! Triathlonlenker sind nicht zugelassen. Bei Fahrten in Dunkelheit oder bei Dämmerung ist zusätzlich eine mit der StVZO übereinstimmende  Beleuchtung zu nutzen. Das Fahren in der Gruppe vermittelt oftmals ein falsches Gefühl der Sicherheit. Gegenüber der Einzelfahrt kommen aber in der Gruppe zahlreiche Gefahrenquellen hinzu.

Alle Teilnehmer beachten die StVO, und begegnen anderen Verkehrsteilnehmern rücksichtsvoll.
Keiner ist perfekt und Fehler passieren. Auch wenn man im Recht ist, immer freundlich und gesittet gegenüber Verkehrsteilnehmern bleiben.

Damit es keine Unfälle gibt - Kurzfassung

  • Hindernisse und Gefahren rechtzeitig durch Handzeichen oder lautes Rufen ankündigen. Diese Warnungen müssen von allen Fahrenden in der Gruppe von vorne bis hinten weitergegeben. In unübersichtlichen Verkehrssituation kann es auch erforderlich sein, dass von Hinten nach vorne gewarnt wird, z.B. Rufkommando “Auto von Hinten“.
  • Kanaldeckel und Schlaglöcher werden angezeigt und nur wenn gefahrlos möglich in einem weiten Bogen umfahren; keine plötzlichen Schlenker! Siehe Kapitel Gruppen-Kommunikation. Modere Räder stecken einiges weg! Po vom Sattel, Arme und Beine locker und das Rad sucht sich, bei gut aufgepumpten Reifen, den Weg durch das Schlagloch.
  • Vorfahrt beachtet jeder Einzelne; nicht unbesehen hinterherfahren.
  • Rechts fahren, hintereinander, an schmalen Stellen nicht nebeneinander.
  • Niemals zu dritt nebeneinander fahren, der Mittlere ist "eingeklemmt" und hat keine Chance im Notfall auszuweichen.
  • Gruppe bleibt zusammen, deshalb sollte jeder seinen hinter ihm Radfahrenden im Blick haben. Kommt er/sie nach?
  • Auf den Abstand zum Voranfahrenden achten.
  • Wenn möglich vorne abwechseln, dabei nicht schneller werden! Vereinbartes Tempohalten.
  • Auf der Straße, wenn gefahrlos möglich Windschatten fahren (nie im Stadtverkehr).
  • Schwächere/unerfahrene Mitfahrende zum Beispiel vor Hindernissen warnen.

Bremsbereitschaft

  • In der Gruppe - egal ob Verband / Einerreihe - immer bremsbereit fahren, d.h. die Hände befinden sich am Bremshebel!

Nicht ohne Grund scharf bremsen

  • Es ist gefährlich, scharf zu bremsen, wenn das nicht nötig ist. Die Nachfolgenden haben nur kurz Zeit, um zu reagieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass hinter einem dann jemand stürzt, ist ziemlich groß. Je größer die Gruppe, desto größer die Gefahr, weil sich dann alles zusammenschiebt. Besser kurz zur Seite ausscheren und den Wind als Bremse nutzen.

Spur halten

  • Bei der Einfahrt in eine Kurve (auch Kreisverkehr!) müssen alle Fahrenden die gewählte Linie halten. Dementsprechend muss die Geschwindigkeit angepasst werden, damit die Fliehkraft einen nicht nach außen trägt. Auf keinen Fall am Scheitelpunkt einlenken, denn es könnte immer die gewählte Spur des hinter einem Fahrenden sein, siehe Tour-Filmchen.

Abbiegen oder Passieren vorfahrtsberechtigter Straßen

  • Beim Abbiegen oder Passieren vorfahrtsberechtigter Straßen „Frei“ rufen, wenn für nachfolgende Radfahrenden ein gefahrloses passieren der Straße möglich ist. Das Rufkommando: „Frei“ ist, zunächst, nur dem Tourenführenden vorbehalten und darf nur gegeben werden, wenn wirklich frei ist, ansonsten kein Hinweis. In diesem Falle muss jeder die Situation selbst einschätzen, nicht unbesehen hinterherfahren. Das Rufkommando: „Frei“ kann nachfolgend, wenn immer noch frei ist (Kontrollieren!) auch von den Gruppenmitglieder an die Nachfolgenden weitergegeben werden.

Keine Lücken entstehen lassen

  • Für den hinteren Fahrer entfällt hierdurch der Windschatten.
  • Wenn der Verband langsamer fährt, entstandene Lücken schleißen.
  • „Hepp“ rufen, wenn Lücke geschlossen wurde.

Wiegetritt ankündigen

  • Mitfahrer rechtzeitig warnen oder zur Seite fahren. Darauf achten, dass niemand direkt hinter einem fährt. Wenn man in den Wiegetritt geht, schiebt sich das Rad nach hinten, so dass der Fahrende eventuell auffährt, wenn er/sie nicht aufpasst.

Nutzung von Radwegen

  • Wird der Radweg benutzt, gelten Radfahrende immer als Einzelpersonen und müssen in einer Reihe auf der rechten Radwegseite hintereinanderfahren.

Verhalten bei Pannen/Sturz

  • Die Gruppe sofort informieren: Rufzeichen: „Defekt / Sturz“. 
    Es hält i.d.R., an einer verkehrssicheren Stelle, die ganze Gruppe, für die Reparatur an.

Vielleicht die wichtigste von allen Regeln

  • Zusammen losfahren, zusammen ankommen!

Regenfahrten

Im Regen ist alles härter: Warm zubleiben aber auch auf dem Rad zu bleiben, denn der Regen bindet alle Sand- und Ölpartikel auf der Oberfläche des Asphalts zu einer Schmierschicht, die jederzeit bereit ist, uns die Reifen unterm Hintern wegzuziehen. Der Bremsweg verlängert sich und zwingt uns, besonders aufmerksam auf lauernde Gefahren zu achten.


Sicheres Fahren im Gruppenverband

Der vorne fahrende Fahrer hat eine besondere Verantwortung. Vorausschauendes Fahren und der konzentrierte "Rundumblick" sind notwendig. Es gilt immer: überquere nicht als Einziger eine Kreuzung, wenn der Rest der Gruppe wegen querendem Verkehr stoppen muss! Die Folgenden können verleitet werden die Straße zu queren und dadurch unnötige Risiken eingehen.

  • Grundsätzlich sollte in der Gruppe konzentriert gefahren werden.
    Selbst in einer gemütlichen "Plauschgruppe" ist ein Mindestmaß an Konzentration erforderlich.
  • Es sollte auf ein gleichmäßiges Tempo geachtet werden.
  • Nach Kurven, Ampeln, Stopps mäßig beschleunigen, damit sich die Ziehharmonika schließen kann.
  • Halte deine Linie: Wenn man sich mit seinem Rad-Nachbarn unterhält, bitte darauf achten, dass man in einer geraden Linie fährt. Bei einem Schlenker muss auch der Rad-Nachbar ausweichen. Das kann für die Fahrer dahinter gefährlich werden.
  • Ein zu großer Abstand ist für das zusammen Fahren im Gruppenverband ungünstig. Ein zu kleiner Abstand birgt die Gefahr eines Unfalls durch Auffahren.
  • Wer unterwegs zum Riegel greifen möchte, oder nach der Flasche, seine Jacke auszieht, die Brille reinigt oder schnäuzt, der reiht sich am besten ganz hinten ein. Dort kann er sich in Ruhe stärken und gefährdet die Mitfahrer nicht. Tipp: Haltet hierbei außerdem einen etwas größeren Abstand zum Voranfahrenden und behaltet immer mindestens eine Hand an der Bremse, um schnell reagieren zu können.

Kurven fahren

Es empfiehlt sich, vor dem (frühzeitig angekündigten) Abbiegen die Abstände etwas zu vergrößern, um die Gefahr eines Auffahrunfalls zu reduzieren. An unübersichtlichen Kurven muss man immer mit einem starken, plötzlichen Bremsen der Vorderleute rechnen!

 

Fahren und warten am Berg

Am Berg besteht i.d.R. erhöhtes Gefährdungspotenzial wegen geringer Geschwindigkeit und häufiger Sichteinschränkungen z.B. durch Kuppen, Wald. Rechtsfahrgebot beachten! Die Gegenfahrbahn ist auf keinen Fall zu nutzen!

Bergauf nicht zu sehr powern, hier können Schwächere den Windschatten nicht nutzen. Grundsätzlich ist es ratsam nicht als Gruppe den Berg (bzw. längere Steigungen) zu erklimmen, damit jeder sein eigenes Tempo fahren kann. Die Gruppenmitglieder kommen i.d.R. einzeln oben an.  Die guten starken Fahrer können eine Sonderrunde fahren: umdrehen und den Berg bis zum Letzten wieder hinunterrollen, dann wieder hochfahren. So kommen alle ungefähr gleich oben an. Nicht sofort, wenn der Letzte (Schwächste) oben ankommt weiterfahren - auch er/sie hat seine Verschnauf-/Riegel-/Trinkpause verdient. 

 

Bergab

  • Defensiv fahren!
  • Gegenüber Alleinfahrt deutlich langsamer,
  • keine riskanten Überholmanöver, nie rechts!
  • Immer mit Fehlverhalten der Mitfahrer rechnen (bremsbereit).
  • Hauptsächlich in Haarnadel-Kurven auf (durch schwere LKWs) zusammengeschobenen Asphalt und dadurch entstandene Wellen in der Fahrbahn achten - Geschwindigkeit anpassen.

Möglichst in Einerreihe hintereinanderfahren. Sofern das Tempo noch verantwortbar bleibt soll der Führende richtig treten, da sonst die Folgenden im Windschatten bremsen müssen.

Straße vs. Radweg

Bergauf ist die Benutzung eines Radwegs in der Regel sinnvoll. Bergab kann die Benutzung wegen der hohen Geschwindigkeit gefährlich sein. Bei schönem Wetter sind Radwege oft überfüllt. Das Fahren mit einer Radgruppe ist dann gefährlich.

Anzeigen

Schlaglöcher lieber verbal ansagen (Rufkommando) statt Handzeichen, damit man nicht die Hand vom Lenker nehmen muss.

Gastfahrer

Für ungeübte oder Gastfahrer ist es zunächst besser am Ende der Gruppe zu fahren. Unsere Mitglieder unterstützen dann beim Erlernen der Regeln. Es ist vorteilhaft, wenn sich Gäste bereits vor Fahrtantritt mit den Regeln vertraut gemacht haben.

Einer- oder Zweierreihe

Je nach Gruppenstärke wird in Einer- oder Zweierreihe gefahren. Die Einerreihe wird meistens bei bis zu fünf Fahrern eingesetzt.

 

Die Entscheidung ob Einer- oder Zweierreihe gefahren wird und ob bei der Führungsarbeit abgewechselt wird trifft der Tourenführende.

 

Einerreihe wird gefahren,

  • wenn die Straßen eng sind,
  • wenn der Verkehr von hinten oder vorne wenig Platz zum Fahren lässt,
  • in Ortschaften oder bei unübersichtlichen Verkehrssituationen
  • auf Radwegen.

Der Führungswechsel (Handzeichen): Ellbogen wird von hinten nach vorne bewegt.

Der Erste lässt sich von der vordersten auf die letzte Position in der Gruppe "fallen", während alle anderen Fahrer eine Position nach vorne rücken. Nachfolgende unbedingt darauf achten, nicht schneller zu werden, vereinbartes Tempohalten! Der Vorteil des Kreiselns besteht darin, dass alle Fahrer gleichviel arbeiten müssen und nur der jeweils Führende kurz dem Wind ausgesetzt ist. Dabei sind für den Wechselnden folgende Schritte zu beachten:

  1. Nach links (hinten) umschauen: Prüfung des rückwärtigen Verkehrs
    Geeigneten Moment wählen: nicht, unmittelbar vor einer Kurve oder einem Hindernis.
  2. Nach links deuten, für den Wechsel kurz beschleunigen und nach links ausscheren.
  3. Zurückfallen lassen (Tempo verringern) und ans Ende anschließen.
  4. Hier gibt der Letzte dem Zurückfallenden Bescheid, um das Wiedereingliedern zu erleichtern.

Hände während des Wechsels immer am Lenker und bremsbereit. Plötzliches, ruckartiges Abbremsen vermeiden.

Effektive Windschattenformationen

In seltenen Fällen ist es erstrebenswert direkt mit dem eigenen Vorderrad am Hinterrad des Vordermanns zu fahren. Zum einen weht der Wind meist von der Seite, und zum anderen ist die Sicht nach vorne gleich null. Zeit für Reaktionen wie Bremsen oder Ausweichen bleibt dann keine mehr. Cleverer ist es, etwas seitlich versetzt zum Vordermann zu fahren.
Eine lange Reihe staffelt sich dann zur windabgewandten Seite nach hinten, wobei abhängig von Windrichtung und -stärke das Aufrücken bis zur Position "Vorderrad-neben-Hinterrad" sinnvoll werden kann. Der erste Fahrer beachtet die Windrichtung und fährt dicht zur Straßenmitte oder ganz am Straßenrand, siehe TOUR-Filmchen. Dabei handelt es sich um die effektivste und damit schnellste aller Windschattenformationen. Voraussetzung für die konsequente Ausnutzung einer Windstaffel ist eine ruhige Verkehrslage!

Ab sechs Farhrern kann, wenn es die Verkehrssituation erlaubt, in Zweierreihe gefahren werden. Diese nimmt zwar mehr Platz auf der Straße ein, der Vorteil dabei ist jedoch, dass sich die Gruppe nicht so in die Länge zieht. Dadurch können vorbeifahrende Autos schneller die gesamte Gruppe überholen. Bei Zweierreihen achten die nebeneinander Fahrenden – speziell die erste Reihe - darauf, dass sich Ihre Lenker auf gleicher Höhe befinden. Das sichert das gleichmäßige Fahren aller Gruppenmitglieder. Ein Wechsel von Zweier- auf Einerreihe erfolgt im Reißverschlussprinzip.

Der Belgische Kreise, zwei rotierende Einerreihen

Der Belgische Kreisel macht richtig Spaß und ist sehr effektiv. Mit unerfahren Mitfahrenden sollte dies aber zunächst, auf einer ruhigen flachen Nebenstraße, eingeübt werden.

Der Führungswechsel:
Es wird ein „Signalwort“ vereinbart - typischerweise „Wechsel“ oder „Change“.

 

Das Schema (siehe Grafik):

Der Wechsel startet mit dem Fahrer vorne links (schwarzem Helm). Dieser lässt sich nach dem Kommando in die 2. Reihe "fallen", während der Fahrer vorne rechts (grüner Helm) seinen Platz einnimmt. Nun erhöht die rechte Seite leicht das Tempo, um vorne aufzuschließen (roter Helm) und hinten Platz zu machen für den letzten der linken Reihe (blauer Helm).

Bei Abwechseln an der Spitze der Gruppe, Ruhe bewahren und immer an das vorher abgesprochenes Schema halten.

Kommt ein schwächerer Fahrer in die beiden Führungspositionen, sollte vorne zügiger durchgewechselt werden. So bleibt die Funktion des Kreiselns bestehen und der Schwächere bei Kondition.

Wechsel nur bei Tempomachern

Bei großen Gruppen kann dieses Wechsel-Schema auch nur von den "Tempomachern" durchgeführt werden. Hierbei ist beim Platzwechsel hinten erhöhte Vorsicht geboten. Mit dem nachfolgenden Gruppenverband sollte (muss!) das vorher abgesprochen werden, dass keine unklaren Situationen entstehen. Auch hier gibt der Letzte dem Zurückfallenden Bescheid, um das Wiedereingliedern zu erleichtern.

Im Prinzip ist dies auch bei einem Einerreihe-Führungswechsel möglich, erfordert aber mehr Aufmerksamkeit beim Wiedereinreihen des Zurückfallenden. Es entstehen außerdem Windschatten-Lücken, welche wiederum schwierig von den Nachfolgenden geschlossen werden können. Besser ist es im gesamten Gruppenverband zu Rotieren, hierbei wechseln die Schwächeren zügiger von vorne nach hinten.

Dies ist keine Zweierreihe!

Das Nebeneinander beginnt schon in der ersten Reihe. Bitte nicht eine halbe Laufradlänge vor seinem Nebenmann fahren, so klappt das nicht mit der Zweierreihe. Dies führt dazu, dass das Tempo immer höher wird, da der Fahrende neben einem natürlich gleichauf bleiben möchte. Dadurch können schwächere Fahrer irgendwann nicht mehr mithalten.

Der Fahrer links vorne hat i.d.R. die Führung! In Zweierreihe wird nicht überholt um entstandene Lücken zu schließen, und nicht an der mittleren Leitlinie entlanggefahren.

Gruppen-Kommunikation

Um beim Rennradfahren in einer Gruppe erfolgreich vorwärts zu kommen und gemeinsam Spaß zu haben, ist es absolut essentiell, dass alle Beteiligten die folgenden Handzeichen/Rufkommandos kennen und diese dementsprechend weitergeben. Schon die kleinste Unaufmerksamkeit kann fatale Folgen haben. Disziplin lässt bei schwindenden Kräften nach. Gerade dann ist die Kommunikation aber besonders wichtig!

Handzeichen / Rufkommandos (Das Anzeigen)

In einer größeren Gruppe sehen die Hinterherfahrenden Hindernisse nicht, oder erst sehr spät. Deshalb zeigen die Fahrer der ersten Reihe Richtungswechsel, Hindernisse oder Gefahrenstellen durch Handzeichen frühzeitig an. Diese Handzeichen werden Reihe für Reihe nach hinten weitergegeben, sodass auch der Letzte dem Loch im Asphalt noch ausweichen kann. Durch die erhöhte Geschwindigkeit und das enge Windschatten fahren ist ein Ausweichen oftmals unmöglich - und in der Gruppe auch gefährlich - keine Schenker fahren - Linie halten! Dennoch gibt der Fingerzeig dem Hintermann die Möglichkeit sich auf das Hindernis einzustellen.

Der Tourführende überblickt von vorne nur maximal die ersten drei Reihen. Daher auch von hinten nach vorne kommunizieren!

Richtungswechsel bzw. Richtungsänderung (ist das geläufigste Handzeichen, das jeder kennt):
Arm nach rechts oder links ausstrecken.

 

STOPP, Anhalten oder Abbremsen der Gruppe an Straßenkreuzungen mit Stoppschild, roten Ampeln, geschlossenen Schranken, wenn ein Hindernis im Weg, oder allgemeine Gefahren.
Arm mit ausgestreckter Handfläche senkrecht nach oben halten

Die senkrechte Hand ist eines der wichtigsten Handzeichen unter Rennradfahrern und wird in brenzligen Situationen oftmals durch ein lautes Rufkommando „Vorsicht, Halt, Stopp“ unterstützt. Sobald die senkrechte Hand des Vordermannes nach oben geht, muss sich die gesamte Gruppe zum Abbremsen bereit machen, um gegebenenfalls vollständig zum Stillstand zu kommen.

 

Langsam/Ruhig fahren:
Handfläche mit ausgestrecktem Arm langsam auf- und ab bewegen.

Rufkommando, i.d.R. von hinten (Info an Führenden über entstandene Lücken):  Kürzer / Langsamer

 

Warnung vor Schlaglöchern, gravierenden Fahrbahnunebenheiten oder Glasscherben etc.:
Zeigefinger am ausgestreckten Arm zeigt auf die entsprechende Stelle.

 

Hindernisse am Fahrbahnrand, beispielsweise Poller, Verkehrsinsel, parkende Fahrzeuge, oder Fußgänger. Gruppe muss Spur verlegen:
Winken mit dem ganzen Arm hinter dem Rücken in die Richtung in die die Spur verlegt werden muss.

Auch als Warnung bei schmalen Straßen/Wegen vor Gegenverkehr, hier muss meist nicht die Spur verlegt werden, aber erhöhte Vorsicht ist geboten.

 

Bahnübergang, Straßenbahnschienen:
Zwei Finger, die horizontal hinter dem Rücken entlangfahren.

 

Einerreihe fahren:
Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger nach oben (oberhalb vom Kopf) halten.

 

Zweierreihe fahren:
Arm mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger nach oben (oberhalb vom Kopf) halten.

 

Kreisel: Die mitunter größte Herausforderung einer Rennradgruppe ist der Kreisverkehr.

Der "drehende Fingerzeig" aus dem gestreckten Arm, oberhalb des Kopfes demonstriert die bevorstehende Schlüsselstelle.

Daraufhin sollte jedes Gruppenmitglied das Tempo anpassen und mit offenen Augen den Kreisverkehr überqueren.

Ein Kreisverkehr zieht i.d.R. die Gruppe auseinander! Deshalb sollte der Vorrausfahrende, nach dem Kreisverkehr das Tempo vorerst  drosseln, bis alle Fahrer aufgeschlossen haben. Abbiegezeichen vor dem Kreisverkehr können irritieren sein, hauptsächlich in Verbindung mit dem "drehenden Fingerzeig". Deshalb bei rechts (1. Ausfahrt) oder links (3. Ausfahrt) Geschwindigkeit deutlich verringern, so bleibet auch der Verband im Kreisverkehr für die andern Verkehrsteilnehmer als solcher sichtbar.

 

Zum guten Schluss "Schneller fahren": (i.d.R nur beim Zusammenschluss nach Lücke)

Rufkommando, von hinten, Info an Führenden über Zusammenschluss: Hepp / Schneller


Kollisionen bei Gruppenfahrten

Ziehharmonika-Effekt, gleichmäßiges Tempo fahren

Jede Veränderung der Geschwindigkeit kann von den Nachfolgenden nur verzögert umgesetzt werden (Reaktionszeit eine Sekunde). Die bis dahin erfolgte Beschleunigung / Verzögerung muss von den folgenden Fahrern überkompensiert werden.

Wenn der vorne fahrende Fahrer plötzlich langsamer wird, dann fährt der Dahinterliegende zuerst etwas auf, bevor er reagieren kann und muss folglich stärker abbremsen. Dieser Effekt pflanzt sich durch die Reihe fort und verstärkt sich dabei. Beschleunigt der Führende wieder, reagieren die Dahinterliegenden erneut zeitversetzt, was dazu führt, dass sie stärker antreten müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Um diesen kräftezehrenden Ziehharmonika-Effekt zu vermeiden, muss ein möglichst gleichmäßiges Tempo gefahren werden. Besonders störanfällig ist die konstante Fahrt während der Ablösungen. Der Führende ist schon etwas müde, der neu nach vorne Kommende jedoch frisch. Wenn er jetzt engagiert zutritt und das ,,Gummiband" anzieht, verliert der Abgelöste oder der letzte Mann in der Reihe leicht den Anschluss.

In der Kurve nicht schneller als der andere

Rücksicht auf Mitfahrende nehmen und nicht direkt nach der Kurve beschleunigen, wir fahren keine Rennen. Es wird nur für die Mitfahrenden unnötig schwer.

Felgenbremsen vs. Scheibenbremsen bei Nässe

Es besteht ein gewisses (großes) Sicherheits-Problem wenn, beide Bremssysteme in der Gruppe vertreten sind. Bei Felgenbremsen muss man früher bremsen, vor allem bei Nässe. Hier muss erstmal die Felge trocknen, bevor der Bremsklotz greift. Durch die unterschiedlichen Bremszeitpunkte kann es zu einer erhöhten Unfallgefahr kommen. Daher bei auftretender Nässe, insbesondere Radfahrende mit Scheibenbremsen vorsichtig und umschauend bremsen.

Lenker-Kollision

Eine stets prekäre Situation entsteht durch das Verhaken zweier Lenker ineinander. Dadurch werden gleich zwei Räder manövrierunfähig.
Hier Hilft: Beide Fahrer müssen aufhören zu treten. Für den Vordermann ist Bremsen absolut tabu, stattdessen muss der Hintermann den Vordermann nach vorne wegschieben, damit sich der Verbund schmerzfrei auflöst. Dabei immer geradeaus fahren! Handauflegen ist die beste Präventivmethode wenn man erkennt, dass sich der eigene Lenker mit dem eines anderen verhaken könnte.

Reifen-Kontakt

Kollisionen bei Gruppenfahrten beschränken sich nicht auf Lenker und Schulterkontakte. Immer wieder kommt es zu Berührungen zwischen Laufrädern. Relativ ungefährlich ist der "Auffahrunfall" direkt von hinten. Wenn an sich direkt von hinten dem Hinterrad des Führenden nähert bis die Reifen aneinanderstoßen, prallt man leicht zurück.
Hier Hilft: Lenker festhalten und einen Tritt auslassen. So gewinnt man wieder genügend Abstand.

Kritischer ist die Situation, wenn man das Hinterrad des Vorausfahrenden seitlich touchiert. Reflexartig lenkt man dann kräftig dagegen. Wenn der Kontaktverloren geht, weil sich Vorder- und Hintermann plötzlich trennen, stellt sich dann der Lenker unvermittelt quer.
Hier hilft nur: im Augenblick der Berührung aktiv auf dem Fahrrad aufstehen, und das Fahrrad mit dem Lenker nach hinten zeihen. Dadurch kann man bis zu einem halben Meter Raumgewinn zwischen dem Hinterrad des Vorausfahrenden und dem eigenen Vorderrad erzielen. Darauf achten, dass man beim Auflösen der Verbindung keine wilden Schlenker ausführt.


Tipps und Anmerkungen

Nase schnäuzen und spucken – nicht auf Mitradler!

Ausweichen und in Corona-Zeiten am besten zurückfallenlassen.

Tipps für Schwächere, in großen Gruppen

In der zweiten oder dritten Reihe ist der Verband am gleichmäßigsten unterwegs, i.d.R. keine Geschwindigkeitsschwankungen die immer einen Ziehharmonikaeffekt verursachen. „Schwächere" sollten sich also in der Gruppe im vorderen Bereich, aber hinter den "Tempomachern", einordnen. Man hat guten Windschatten und direkten Kontakt zum Tourenführenden, welcher die Geschwindigkeit bei Bedarf besser auf die Schwächen anpassen kann.

Wem es zu schnell ist, bitte frühzeitig dem Tourenführenden Bescheid geben, Rufzeichen: Kürzer / Langsamer.

Tipps für Tourenführende

Der Tourenführende, fährt am besten auf der sicheren, linken Position einer Zweierreihe. In dieser kann er, z.B. zur Kontrolle des Verbandes, aus der Gruppe, kurz nach links ausscheren.

Bei Gruppengrößen größer zehn Radfahrenden ist es sinnvoll einen verantwortlichen Schlussfahrenden zu benennen, welcher ebenfalls über die notwendige Streckenkenntnis verfügt und bei Pannen oder beim Abreisen Einzelner aus der Gruppe Meldung nach vorne gibt. Der Tourenführende bestimmt das Tempo und entscheidet ob Einer- oder Zweierreihe gefahren wird. Ein guter Indikator für das richtige Tempo ist, wenn sich die Fahrer im Verband unterhalten. Der Tourenführer fährt bei längeren Steigungen i.d.R. hinten und kümmert sich um die Schwächeren. (Macht auch mein Vorbild Sigi immer so - finde ich gut! Eigenvorteil man spart Kräfte für die weitere Strecke vorn im Wind)

Gruppe zusammenhalten

Beim Anhalten, Anfahren und Abbiegen wird das Tempo der Gruppe bewusst langsam erhöht bzw. verringert, um ein Auseinanderreißen der Gruppe zu verhindern. Bei Wellen besteht erhöhte Gefahr, dass die Gruppe auseinanderfällt. Daher:

  • unbedingt versuchen, den Verband zusammenzuhalten
  • Tempo den langsamsten Fahrern anpassen.
  • sollte der Verband doch auseinanderbrechen, vorne langsam weiterrollen und die Nachzügler aufschließen lassen.
  • Anhalten, soweit möglich vermeiden.

Bei Stopps

  • Die gesamte Gruppe muss zügig und vollständig die Straße verlassen.
  • Andere Verkehrsteilnehmer dürfen nicht behindert werden.
  • Für den Stopp ist eine verkehrsarme, übersichtliche Stelle zu wählen.
  • Bei Stopps an unübersichtlichen Stellen muss der Verkehr stets beobachtet und andere Verkehrsteilnehmer gewarnt werden.

Falsche Abbiegesignale

Hat der Tourenführende die Abbiegungen zu spät angezeigt oder übersehen ist die Situation sehr gefährlich:

  • Kollisionsgefahr in der Gruppe, wenn nur ein Teil abbiegt.
  • Sturzgefahr, wenn nach dem Feststellen des Fehlers zu stark und unkoordiniert abgebremst wird.
  • Kollisionsgefahr mit Autoverkehr, falls Umkehren erforderlich ist.

Tipp für den Tourenführenden: Im Zweifel geradeaus (Straßenverlauf folgend) weiterfahren. Bei nächster, sicheren Gelegenheit Verband stoppen, um gefahrlos zu wenden.

 

Verhalten bei Defekt oder Sturz

  • Sofortige Meldung per Rufzeichen: „Defekt“ oder „Sturz“
  • Erste Priorität hat die Vermeidung und Verringerung der akuten Gefahr, bis die gesamte Gruppe in einem sicheren, ruhenden Zustand ist.
  • Andere Verkehrsteilnehmer warnen.

Bei Sturz ist die Unfallstelle abzusichern, Erste Hilfe zu leisten und ärztliche Hilfe zu rufen.

Gegebenenfalls: Autofahrer um Hilfe bitten (Absicherung durch Warndreieck oder Auto mit Warnblinkanlage, Verbandskasten)

  • 2 Personen: Beide Fahrtrichtungen absichern
  • 1 Person: Erste Hilfe leisten
  • 1 Person: Bei Bedarf 112 anrufen
  • Eigenschutz beachten

Nach hinten schauen in der Gruppe
Wenn man sich, als Führungsfahrer, in einer Zweierreihe-Gruppe umdrehen will, legt man immer die Hand der Seite, nach der man sich umsehen will, auf die Schulter des Nachbarn. Somit ist es leichter in der geraden Fahrlinie zu bleiben, TOUR-Filmchen.


Recht, Verantwortung und Haftung

Jeder Teilnehmer ist für sein eigenes Handeln verantwortlich und trägt Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern für alle Mitfahrende in der Gruppe.

Alle Mitglieder sind, bei einer Vereinsausfahrt, über den Verein, in der ARAG-Sportversicherung (www.arag-sport.de) versichert. Tourenführende übernehmen keine über den versicherten Umfang hinaus gehende Haftung.

Verbandsrecht nach StVO §27

Ab 16 Personen darf ein geschlossener Verband gebildet werden, dann darf Zweierreihe gefahren werden. Auch eine Einerreihe ist ein geschlossener Verband. Ein Radfahrer-Verband gilt nur als geschlossen, wenn er als geschlossen erkennbar ist: daher keine Lücken entstehen lassen. Sobald der Verband nicht mehr geschlossen ist entfallen Verbandsrechte! Radwegbenutzungspflicht entfällt für geschlossene Verbände.
An Ampeln, Kreuzungen, Einmündungen gilt der Verband als ein zusammenhängendes Fahrzeug. Wenn die Verbandsspitze eingefahren ist darf der gesamte Verband folgen. Die Regeln sind (bei allen Verkehrsteilnehmern) oft unbekannt bzw. es besteht Unklarheit bzgl. Auslegung und Umsetzung.

Daher: niemals Verbandsrechte erzwingen. §1 StVO geht immer vor – Gefährdungen vermeiden!

und Bitte

...immer Fairness, wir fahren kein Rennen und wollen alle gesund heimkommen!

...bei Richtungs-Handzeichen „rechts/links“ auf Rad-Nachbarn achten.

...keine "Handzeichen" mit: "Ah, jetzt ja, schau mal - eine Insel..."  dies könnte von den Nachfolgenden missverstanden werden.

...bei einem Halt den Weg/Straße nicht blockieren.

...Rücksicht auf Fußgänger und andere Radfahrer nehmen.
...wir werfen auch keine Bananenschalen bei Gruppenfahrten achtlos (Rad-Nachbar!) in die Pampa 

...schont die Natur, und hinterlasst keinen Müll.

Danke!


Übrigens, ungeschriebenes Gesetz: Wer nach vorn verloren geht, auf den wird nicht gewartet.


Quellen und Dank

Ich danke für den Informationsquell der Zusammenstellung meinem Rennradvorbild und Vereinskameraden Siegbert Jehle (im Bild, als RuS-Tourenführer 2016, auf linker Position), von dem ich im Laufe der Jahre viel gelernt und "abgekupfert" habe. Mein Dank geht auch an Armin Huber vom RV Pfeil Tübingen. Er hat in mir, mit seinen akribischen Kirschblüten-Tour-Planungen eine Sensibilität und Verständnis für Gruppenfahren mit inhomogenen, erfahren und unerfahrenen Rennradlern und den damit verbundenen Gefahren geweckt. Nicht zuletzt geht mein Dank auch an unsere raderfahrenen Herren im Verein (Hans-Dieter, Jürgen und Klaus) die aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, mir (uns) mit Rat und Tat zur Seite stehen. Juni 2020 / Ulf


Zum Schluss noch zwei Filmchen vom Tour-Magazin

Radfahren in der Gruppe: Handzeichen, Einerreihe, Windkante, Belgischer Kreisel, Kurventechnik in der Gruppe

Linie halten, Kurventechnik, Notbremsung
und zum Thema "Umdrehen in der Gruppe"


Quelle: ↗Tour Magazin