Fahr-Tipps

Wiegetritt, Komfort vor Geschüttel, Fahrtechnik, RUTSCHGEFAHR, Rennradfahren bei Regen und Nässe

Wiegetritt

Die ökonomischste Art des Radfahrens ist im Sattel sitzen zu bleiben. Sobald man aufsteht, muss zusätzlich zur Antriebsleistung auch noch einen Teil des Fahrergewichts mit den Beinen tragen. Die passendste Lenkergriffposition ist sowohl im Flachen, als auch am Berg die Bremsgriffhaltung; außer beim Sprint, hier nimmt man den Unterlenker in einen festen Griff und zerrt was das Zeug hält.
Der Wiegetritt wird gerne eingenommen um beispielsweise gelegentlich das Sitzfleisch zu entlasten. Die zweite Notwendigkeit, auf dem Rennrad den Wiegetritt zu nutzen ist, wenn dem Fahrenden an Steilstrecken auch der kürzeste Gang noch zu lang ist. Im Wiegetritt kann ein höheres Drehmoment durch das volle Körpergewicht auf die Kurbel gegeben werden als aus der sitzenden Position heraus möglich wäre. Der Fahrende muss aber beachten, dass eine solche, extrem kraftbetonte Fahrweise, oft im anaeroben Bereich stattfindet und daher zeitlich eher begrenzt ist.
Die sitzende Bergfahrt und die Bergfahrt im Wiegetritt unterscheiden sich bei den meisten Fahrern durch unterschiedliche Trittfrequenz bei möglichst gleicher Geschwindigkeit. Der Wechsel von der sitzenden Bergfahrt zum Wiegetritt sollte daher mit einem Schaltvorgang von zwei Gängen zu einem kleineren Ritzel eingeleitet werden.
Bei Fahrten in der Gruppe muss der in den Wiegetritt gehende Fahrende darauf achten, dass sein Hintermann/frau frühzeitig gewarnt wird. Der Wechsel von der Sitzposition in den Wiegetritt – und umgekehrt – führt selbst bei sehr guter Ausführung zu einem kurzzeitigen Verlust von Antriebsleistung, der den dicht nachfolgenden Fahrenden im ungünstigsten Fall auffahren lässt.

 

Komfort vor Geschüttel

Das Kopfsteinpflaster (Pavé) bewältigt man am besten in einem hohen Gang. Man sollte seiner Linie treu bleiben und schnelle und ruckartige Manöver vermeiden.
Ein breiterer Reifen mit 25 mm oder gar 28 mm bildet ein größeres und nachgiebigeres Luftkissen, vorausgesetzt Gabel bietet Spielraum für breitere Reifen. Um die Breite der Reifen in ihrer Funktion als Stoßdämpfer voll auszunutzen sollte der Reifenduck niedriger sein (5 bis 5,5 Bar), als auf einer Strecke die ausschließlich über asphaltierte Straßen führt. Mit niedrigem Druck kann sich der Reifen den Unebenheiten von Kopfsteinpflaster oder Schotter anpassen und so Erschütterungen besser abfangen. Doch zu niedrig sollte er nicht sein, sonst besteht die Gefahr von Durchschlägen und sogenannten Snakebites im Schlauch. Günstig auf die Dämpfung wirkt sich ein etwas längerer Radstand aus.

Neben bequemen und gut gepolsterten Handschuhen, ist eine doppelte Lage Lenkerband, oder ein Gelpolster das unter das Lenkerband geklebt werden kann nützlich, um schmerzhafte Blasen an den Händen zu meiden.
Bei extremen Belastungen haben Aluminium-Lenker den Vorteil, dass sich Materialversagen i.d.R. durch Verformung ankündigt und er Stürze besser weg steckt. Ein Carbonlenker kann schlagartig brechen. Lenker sollten zumindest nach extremen Belastungen vor jeder Fahrt, auf Beschädigungen wie Haarrisse überprüft werden.
Auf einem größeren Kettenblatt wird das Risiko, dass die Kette während der Fahrt abspringt verringert. Eine etwas geringere Tretfrequenz durch größere Gänge vermindert die Hüpftendenz auf holprigen Passagen. Der größere Druck auf den Beinen entlastet das Gesäß und verringert die Wucht von Belastungen auf die Wirbelsäule. Aber ständig mit großem Druck zu fahren macht schnell müde und dicke Beine. Daher sollten Erholungsphasen für die Beine mit leichten Gängen und höherer Trittfrequenz eingeschoben werden.
Schrauben können sich unter dem Einfluss von Vibrationen und ohne geeignete Schraubensicherung lösen und zum Sicherheitsrisiko werden. Vor jeder Fahrt sollte auf den korrekten Sitz der Schrauben an Sattelstütze, Lenker, Bremsen und der Schnellverschlüsse an den Laufrädern überprüft werden.
Beim Flaschenhalter gilt: Funktion ist wichtiger als Design. Ein schicker Flaschenhalter aus Carbon kann schon bei dem ersten Kontakt mit der Holperstrecke Getränkeflasche aus dem Halter schleudern. Ein Flaschenhalter aus Aluminium kann zurechtgebogen werden, so dass die die etwas kleineren 500-ml-Getränkeflaschen relativ festsitzen. Zusätzlich kann man auch noch Panzer-, Gaffer- oder Griffband an den Flaschenhalter kleben, um die Griffigkeit noch mehr zu verbessern.

 

Fahrtechnik

Bei schnellen Kurven steuert, nicht nur wie beim MTB-Fahren in engen Kurven oder Spitzkehren, der Kopf die Bewegung – der Blick geht dorthin, wohin man hinfahren möchte.  Die Kurve wird zunächst außen angefahren, dann zieht man nach innen. Wichtig: Der dem Kurvenzentrum zugewandte Kurbelarm steht senkrecht nach oben. So kann das Pedal beim Hineinlegen in die Kurve nicht aufsetzen. Das Tempo muss bereits bei der Einfahrt in die Kurve passen, denn (starkes) Bremsen ist tabu.

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Wer schnell fahren will, sollte zuerst lange fahren können.

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Allgemeine Gefahren

RUTSCHGEFAHR

Auslöser schwerer Stürze können in Kurven Sand auf der Fahrbahn oder Ölspuren sein. Bei Regen verändern besonders Fahrbahnmarkierungen, aber auch Kanaldeckel aus Stahlguss und Kopfsteinpflaster ihren Charakter. Diese werden sehr glatt und deshalb für Zweiradfahrer extrem gefährlich!

RICHTIG REAGIEREN
Verblüffend schnell rutschen Reifen indes weg, wenn in Schräglage gebremst wird. Physikalisch betrachtet, geschieht dabei folgendes: Während der Kurvenfahrt stützt die Bereifung die entstehenden Fliehkräfte ab. Dabei wird in Abhängigkeit zur Geschwindigkeit mehr oder weniger die zur Verfügung stehende Gesamthaftreibungskraft ausgenutzt. Wird dann gebremst, müssen vom Reifen zusätzlich die Verzögerungskräfte auf der Fahrbahn abgestützt werden. Die Kräfte aus Bremsen und Kurvenfahrt addieren sich, die maximal verfügbare Reibungskraft wird überschritten und der Reifen gleitet seitlich weg. Aus diesem Grund ist es ebenso falsch wie sinnlos, ein bereits rutschendes Fahrrad durch Bremsen stabilisieren zu wollen.

Es ergeben sich dennoch immer wieder Situationen, in denen während der Kurvenfahrt verzögert werden muss, etwa in stark abschüssigen Kurven, wenn das Rad von selbst stark beschleunigt. In diesem Fall sollte das Rad aufgerichtet werden, stark abbremsen und erneut in die Schräglage gehen. Die Frage, mit welcher Bremse die Geschwindigkeit reguliert werden soll, ist nicht einfach zu beantworten. Die vordere Bremse ist zwar wirkungsvoller, ein Überbremsen führt jedoch ziemlich sicher zum Sturz. Blockiert das Hinterrad, ist dies eher zu kontrollieren, weshalb leichtes Betätigen der Hinterradbremse die bessere Möglichkeit darstellt.

 

Rennradfahren bei Regen und Nässe

Das Wetter schlägt oft schneller um, als dem Rennradfahrer lieb ist.

 

Kleidung:

In den Alpen ist es fast immer empfehlenswert eine Regenjacke einzupacken. Lange wind- (und wasser)dichte Rennradhandschuhe können bei langen Abfahrten im Hochgebirge im Regen ein Segen sein. Von den nassen Straßen, auch lange nach dem eigentlichen Niederschlag, werden die Rennradschuhe ordentlich mit Spritzwasser durchnässt. Hier können Überschuhe oder wasserdichte Socken helfen, dass die Füßen warm bleiben. Ein Rennradbrille kann bei Regenwetter gute Dienste leisten. Sie hält sowohl den Regen, als auch das Spritzwasser vom Vordermann von den Augen fern. Bei mehreren Stunden Dauerregen, wenn es nicht zu kalt ist, hilft eine Short-Regenhose den Unterleib warmzuhalten.

 

Bremsen, Lenken und Reifen-Straßen-Kontakt:
Bei Regen verringert sich die Bremskraft der Felgen-Rennradbremsen, bei Carbonfelgen sogar erheblich! Die Bremsflanken sollten zunächst mit mehrmaligem kurzem Ziehen am Bremshebel "trocken gebremst" werden. Danach dosiert vorne und hinten bremsen.
Kontrolle behalten: Vorausschauend fahren, so dass heftige Lenkbewegungen vermeiden werden können. Manche Reifen rutschen bei Nässe ohne Ankündigung weg!
Vorsicht: Neue Reifen sollten vorher eingefahren werden. Am Anfang kann bei Faltreifen oft noch Wachs austreten, was den Reifen im Nassen unter Umständen sehr rutschig machen kann. Reifendruck bei starkem Regen und nassen Straßen eher am unteren Ende des empfohlenen Bereichs.
Extra vorsichtig: Regnet es nach einer längeren trocken Phase zum ersten Mal wieder, kann der Regen den Straßenstaub zur regelrechten Schmierseife verwandeln. Fahrbahmarkierung wie Zebrastreifen oder die breite (Innen-)Markierung beim Kreisverkehr sind oft besonders rutschig. Auch bei Laub auf der Straße ist erhöhte Aufmerksamkeit gefordert.

Diese Hinweise sind bei Gruppenfahrten egal ob Einzel- oder Zweierreihe zu unbedingt beachten!