Radeln 2020 mit Anstand-Abstand

Dieser Blog dient der Information unserer Radler und wird sporadisch aktualisiert und ergänzt, z. T. auch  mit neuen Erkenntnissen überarbeitet. Die folgende Recherche sollte zur eigenen besonnen Urteilsbildung anregen insbesondere beim Rennradfahren in der Gruppe. Sie erhebt keinen Anspruch auf etwaige Vollständigkeit.

Zusammengestellt von Ulf; Stand: 05.08.2020

Fahrradfahren in der Natur, an der frischen Luft ist eine gute Alternative zu Fitnessstudios, um den Körper gesund zu halten und den Kopf frei zu bekommen. Bewegung und Sport sind sowohl für das physische wie auch psychische Wohlbefinden wichtig.

Allgemein gilt, wie immer: das Immunsystem durch Training im Maximalbereich zu belasten, kann bei einer möglichen Infektion auch für fitte Radfahrende lebensgefährlich werden!

Unser Immunsystem widersetzt sich täglich Millionen von Keimen.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein regelmäßiges Training der Muskeln die Abwehr nachweislich steigert. Sport an der frischen Luft bringt wechselnde Temperaturreize und Bewegung – beides stimuliert die Abwehrkräfte. Die Schleimhäute profitieren von der besseren Durchblutung und dank der höheren Luftfeuchtigkeit können Virenattacken besser abgewehrt werden.

Wissenschaftler beginnen mehr über den neuen Erreger und seine Auswirkungen zu verstehen. Viele Erkenntnisse sind vorläufig und werden im Laufe der Zeit bestätigt, ergänzt oder korrigiert werden.

↗Wo Atmen zum Risiko wird

Quelle: www.zeit.de, Animation von Annick Ehmann und Maria Mast, August 2020


Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in seinen aktuellen Verhaltensweisen das Radfahren in Zeiten von Covid-19 empfohlen. 

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Quelle:  ↗http://www.euro.who.int Stand: 20.04.2020, 11:43




Radfahren schützt doppelt

Radfahren wird vom Gesundheitsminister Jens Spahn aktiv empfohlen er ruft dazu auf, mehr das Fahrrad zu nutzen und auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten, um sich vor einer Infektion zu schützen. Radfahrer hielten nicht nur automatisch Abstand zu anderen, sondern seien zudem einem geringeren Risiko ausgesetzt, sich durch das Berühren von Oberflächen zu infizieren.

Radeln stärkt die Lunge

Ausdauersportarten wie Radfahren haben grundsätzlich für die Lungenmuskulatur einen positiven Effekt. Das Atmungsorgan wird gut belüftet und besser durchblutet. Zitat: "Sie atmen intensiver, das heißt, Sie reinigen Ihre Lunge gut. Und das ist in punkto Virusprotektion optimal", so der Pneumologe Barczok: "Das Fahrrad ist gerade jetzt auch aus diesem Grund ein sinnvolles Fortbewegungsmittel."

Quelle: Stefan Weißenborn, 18.03.2020, 13:11 Uhr,  ↗www.spiegel.de

Dr. Michael Barczok ist Autor des Buches "Luft nach oben" und gegründete mit Dr. Rüdiger Sauer das Lungenzentrum Ulm

Weitere Infos zu "Radfahren während der Corona-Pandemie" unter RadKultur BW.


Steckt das Coronavirus in schwebenden Tröpfchen?


Mittlerweile steht fest, dass sich das Virus insbesondere im Rachenraum und in der Lunge festsetzt. Die größte Infektionsgefahr besteht neben direkten Schmierinfektionen durch Aerosole.

Was sind Aerosole?

Ein Aerosol (Kunstwort aus altgriechisch ἀήρ āḗr, deutsch „Luft" und lateinisch solutio „Lösung" ist ein heterogenes Gemisch (Dispersion) aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas. Es ist ein dynamisches System und unterliegt ständigen Änderungen durch Kondensation von Dämpfen an bereits vorhandenen Partikeln [1]. Der Durchmesser von Aerosolpartikeln liegt in der Größenordnung zwischen 0,1 Nanometer und 10 Mikrometer [2].

Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Ein Mikrometer ist der eintausendste Teil eines Millimeter.

Haften sich Bakterien oder Viren an die Aerosol-Partikel, heißen sie "Bioaerosole".

Quellen: [1] ↗ww.de.wikipedia.org und [2] ↗www.spektrum.de

Mehr zu Aerosolen findet sich unter: ↗Paul Scherrer Institut Labor für Atmosphärenchemie, 5232 Villigen, Schweiz


Sars-CoV-2-Viren könnten über Aerosole übertragen werden

Das Virus SARS-CoV-2 überträgt sich nicht nur durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen), welche über die Schleimhäute (Nase, Mund, Auge) aufgenommen werden, sondern auch über Aerosole. Aerosole werden hautsächlich beim Hüsteln aber auch beim Sprechen und Ausatmen ausgestoßen. Der Abstand, 1,5 bis zwei Meter, hilft zwar gegen die Tröpfcheninfektion, nicht aber gegen Aerosole. Aerosol-Tröpfchen kleiner fünf Mikrometer Durchmesser und halten sie sich lange in der Luft. „Dickere“ Tröpfchen sinken dagegen schneller zu Boden. Fast die Hälfte der Sars-CoV-2-Infektionen könnten möglicherweise auf Aerosole zurückzuführen sein. Inzwischen geht man davon aus, dass ungefähr zehn Prozent durch Schmierinfektionen übertragen werden, Prof. Dr. Christian Drosten.
Viren wie Masern oder Windpocken werden hauptsächlich durch Aerosole übertragen. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken, ist deutlich geringer als bei Masern, bei der sie bei 75 bis 90 Prozent liegt. Bei Grippe (Influenza) hängt das stark von den Umständen ab.

In einer Studie mit experimentell erzeugten und mit SARS-CoV-2-Viren angereicherten Aerosolen waren laut Robert-Koch-Institut (RKI) vermehrungsfähige Viren bis zu drei Stunden nachweisbar. Diese „künstliche mechanische Aerosolproduktion“ unterscheidet sich jedoch grundlegend vom menschlichen Ausstoß.

Wann genau Aerosole das Virus übertragen können und infektiös bleiben, welche Mengen nötig sind oder in welcher Phase der Infektion das möglich ist – all das ist für eine abschließende Beurteilung noch nicht zu beantworten.
Die WHO empfiehlt zwei Meter Abstand, wenn man das Einatmen eines Tröpfchens zu 99 Prozent vermeiden möchte. 70 Prozent der ausgeschiedenen Tröpfchen verbleiben bei einem Meter um die Person welche sie ausscheidet.

Viruslast und Größe des Sars-CoV-2-Virus

Entscheidend ist, wo die Tröpfchen samt Viren ankommen und wie infektiös sie noch sind. Auf der Nasenschleimhaut schnäuzt man sie schnell wieder aus. Wenn man sie hingegen direkt tief in die Lunge einatmet, richten sie den größten Schaden an.

Das Sars-CoV-2-Virus ist 160 Nanometer groß. In kleineren Partikeln in der Luft finden sich vielleicht 100 Viren. Wie viele von diesen Virenpartikeln notwendig sind, um sich zu infizieren, ist unklar.
Quelle: Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin vom Helmholtz Zentrum München und dem Institut für Umweltmedizin an der Technischen Universität München, Stand: 07.05.2020

Im freiem ist die Gefahr eher gebannt

Theoretisch ist es denkbar, dass eine infizierte Person, draußen die Viren ausatmet und die nachfolgende Person, die einige Minuten oder gar Stunden später, die winzigen Tröpfchen wieder einatmet. Dies ist aber eher als unwahrscheinlich einzustufen, da sich die ausgeatmete Luft draußen sehr schnell verdünnt der Wind die Partikel zerstreut. Wird der Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten, muss man sich keine Sorgen machen. Stand: 20.05.20


In Räumen - eher Lüften als ständig Desinfizieren

Forschende schätzen, dass einen Infektion in Innenräumen bis zu 19-mal wahrscheinlicher ist als draußen.

  • In trockener Luft in Innenräumen erhöht die Infektionsgefahr.
  • Fenster dauerhaft gekippt zu halten, reicht in stark belegten Räumen nicht aus.
  • In Innenräumen nach jedem Husten oder Niesen ist eine Stoß- oder Querlüftung durchzuführen.
  • In Räumen in denen Sport getrieben werde, sollte fünfmal pro Stunde oder öfter gelüftet werden.

Partikel, die ausgeatmet werden und sich in der Luft ausbreiten bewegen sich in Räumen ähnlich dem von Gerüchen. Selbst größere Partikel können rund zehn Minuten in der Luft bleiben und so theoretisch von einem zum anderen Ende eines Raumes schweben. Die Bewegung hängt von Faktoren wie der Position der Klimaanlagen, der von Heizkörpern welche die Luft nach oben steigen lassen, von Fenstern, den Gegenständen und nicht zuletzt Personen, die durch ihre Bewegungen kleine Luftwirbel erzeugen ab. Anchordoqui/Chudnovsky ↗A physicist view of the airborne infection 30.03.2020.

Gerade kleinere Partikel unter 50 Mikrometern können sich ohne eine mechanische Lüftung weit im Raum verbreiten und dort lange verweilen, Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel, TU Berlin, Hermann-Rietschel-Institut.

Dies kleinsten Partikel könnten je nach Wärme, Luftfeuchte und Luftverschmutzung mit Luftströmen bis zu sechs Meter weit, beim Niesen sogar fast acht Meter getragen werden, Prof. Dr. Lydia Bourouiba, Massachusetts Institute of Technology ↗Jama: Turbulent Gas Clouds and Respiratory Pathogen Emissions, 26.03.2020

Versuche bestätigen, dass Aerosole, die von Corona-Infizierten ausgestoßen werden, intakte Viruspartikel (COVID-19-Erreger) enthalten die ansteckend sind. Selbst aus Proben, die in fast fünf Metern Abstand zu den Corona-Infizierten genommen wurden, sind noch aktive SARS-CoV-2-Partikel isoliert worden. Ob die Viruslast in der Raumluft ausreicht, um weitere Menschen anzustecken ist noch nicht abschließend geklärt, Prof. Dr.  John Lednicky, Universität von Florida in Gainesville Viable SARS-CoV-2 in the air of a hospital room with COVID-19 patients Stand: 03.08.2020

Um die Aerosol-Übertragung zu verringern, muss die Viruslast im Raum bewegt und durch regelmäßiges Lüften, über die Fenster, rausbefördert werden. Ständiges Händewaschen bringt laut neueren Daten wahrscheinlich eher nachrangig etwas, zumindest was den Schutz vor Sars-Cov-2 betrifft. Das Risiko anderer Infektionen kann Händewaschen dennoch deutlich senken. Quelle: Prof. Dr. Christian Drosten, Interview im ↗www.deutschlandfunk.de, 25.03.2020

↗Warum Abstand halten so wichtig ist. Eine 3-D-Animation von projekte.sueddeutsche.de, 18.05.20


Hilft ein Mundschutz aus Stoff?

Nachgewiesen ist, dass eine Schutzmaske die Verbreitung von Tröpfchen und Aerosolen reduziert. [1].

Ein unwissentlich Infizierter steckt weniger Menschen an. Mindestens 48 Stunden vor Ausbruch ist ein Corona-Infizierter ansteckend. Nicht so effektiv ist hingegen die Schutzwirkung für den Maskenträger selbst. Damit zählt: Schützt du mich, schütz ich dich. Masken schützen auch, wenn sie mit ungewaschenen Händen aus der Tasche gezogen werden, dann aber vor allem die Anderen.

  • Bei Atemschutzmasken vom Typ FFP2 werden die ausgestoßenen Aerosole auf weniger als 0,1 Prozent reduziert.
  • Chirurgisches Masken reduzieren die Aerosole um 90 Prozent.
  • Selbstgenähte Baumwollmasken filterten je nach Zahl ihrer Stofflagen und Falten zwischen 70 und 90 Prozent.
  • Halstücher lassen rund die Hälfte der Tröpfchen durch.

Quelle: Duke-Universität in Durham (US-Bundesstaat North Carolina)

 

Mit Hilfe von Aerosolen könnte sich der Virus nicht nur über weite Strecken verbreiten, sondern auch noch Menschen infizieren, wenn die erkrankte Person längst nicht mehr in der Nähe ist. Einfache Masken unterbrechen zwar die Flugbahn, viele aber lassen kleine Partikelchen durch oder an den Seiten vorbei.

Um sich selbst zu schützen empfiehlt die WHO, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, Menschen mit Vorerkrankungen medizinische Masken tragen. Die Masken sollten möglichst aus drei Schichten bestehen [2]. Einer inneren aus Baumwolle, einer zweiten aus Kunststoff z.B. Polypropylen und einer äußeren aus Polyester. Die Masken sollten nur mit sauberen Händen an den Halterungen angefasst werden. Außerdem nach einer Benutzung (täglich) bei mindestens 60 Grad oder in einer verdünnten Chlorlösung gewaschen werden.
Damit Alltagsmasken etwas bringen, müssen sie Nase und Mund bis zum Kinn bedecken und an den Rändern möglichst eng anliegen. Nach den Einschätzungen von Epidemiologen und Virologen hemmt ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel [3].

Mund-Nase-Schutz kann Nährboden für ↗Mikroben sein.

Professionelle FFP3-Filtermasken können eine Aerosol-Ansteckung verhindern. aber eine Empfehlung für diese Art von Masken in der Bevölkerung ist nach Ansicht von Experten weder "sinnvoll" noch "umsetzbar".

Quellen: [1] www.zeit.de ↗HOW TO MUNDSCHUTZ  16.04.2020; ↗Welche Maske soll ich tragen?  22.04.2020.

[2]: www.who.int, ↗Advice on the use of masks in the context of COVID-19, 05.06.2020

[3]: wwww.spiegel.de, ↗Studie bestätigt Schutzwirkung von Masken vor Coronavirus, 08.06.2020

Husten und Niesen mit Mundschutz

Beim Husten oder Niesen in einem Stoß aus der Mundöffnung zeigte die Visualisierung, bei Schutzmasken mit Ventil, dass das Ventil den Strom der Tröpfchen zumindest in den ersten zwei Sekunden effektiv steuert: Die Wolke verteilt sich nach unten oder oben, nicht aber geradeaus vom Gesicht weg. Am besten wurden die Tröpfchen jedoch von FFP2-Masken und einer üblichen hellblauen OP-Maske gestoppt: In beiden Fällen entwich zwar ein Teil der Tröpfchen am oberen Rand der Masken vorbei nach oben. Doch gelangten in den Sekunden danach kaum Tröpfchen vors Gesicht.

Quelle: Department of Ocean and Mechanical Engineering, Florida State University, ↗Journal Physics of Fluids, 08.2020

Wie lange kann eine Maske benutzt werden?

Eine Alltagsmaske kann in einem gewissen Zeitfenster durchaus beliebig oft getragen werden. Wie lange am Stück man einen Mundschutz tragen kann, hängt vor allem von der körperlichen Aktivität ab. Absetzen und auswechseln sollte man ihn sofort, wenn er feucht ist, aber spätestens nach drei bis vier Stunden Tragezeit am Stück. Bei einer kompletten Durchfeuchtung besteht die Gefahr einer Infektionsbrücke zwischen tragender Person und der Umgebung.

Quelle: Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik

Aufbereiten eines Mund-Nasen-Schutz

70 Grad für eine halben Stunde in einem Backofen oder zehn Minuten im kochenden Wasser genügen, um bei einem leichten OP-Mundschutz alle Covid-19-Erreger abzutöten und wieder für den Alltagsgebrauch tauglich zu machen.

Quelle: Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Regiomed-Hygiene-Institut 28.05.2020


Witterung beeinflusst Verhalten der Viren in der Luft

Viren regieren empfindlich auf hohe Temperaturen

Viren können bei niedrigen Temperaturen außerhalb des Körpers lang überleben. Dies ist ein Grund, warum Menschen im Winter häufiger an der Influenza erkranken. Temperaturen von 56 Grad Celsius reichen aus, um Viren innerhalb kurzer Zeit abzutöten. Bei 21 Grad Celsius überlebten Viren ein bis zwei Tage. Bei vier Grad Celsius sank die Zahl der Viren in einer Zellkultur selbst nach drei Wochen nur minimal.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO) ↗First data on stability and resistance of SARS coronavirus compiled by members of WHO laboratory network, 04.05.2003

Unklar ist, ob das Virus mit steigenden Temperaturen inaktiver wird, wie das bei Grippe und vielen anderen Erkrankungen der Atemwege der Fall ist. Dafür spricht, dass es vermutlich nicht so sehr die Eigenschaften des Virus sind, die diesen Verlauf bestimmen, sondern Sonnenlicht, Tageslänge und geändertes Verhalten. Die Wirkung von UV-Licht, durch verstärkte Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten schädigt das Virus und macht es so eher ungefährlicher. Dagegen spricht, dass das Virus sehr ansteckend ist.

In der Winterzeit wird mit dem häufigen Wechsel zwischen der Kälte draußen und der Wärme drinnen die körpereigene Abwehr stärker belastet. Außerdem funktioniert das Immunsystem im Winter aufgrund saisonalen Schwankungen - körperlicher Veränderungen - schlechter. Kalte Luft verengt die Blutgefäße der Nasenschleimhaut. Bei Wärme, im Räumen weiten sich die Blutgefäße was zu einer verstopften Nase führen kann. Diese Enge kann wiederum die Vermehrung von Bakterien begünstigen.


Welchen Einfluss hat das Sommerwetter?

Das Sommerwetter mit hohen Temperaturen und eher hoher Luftfeuchtigkeit kann wahrscheinlich Covid-19 nicht aufhalten.

Bei höherer Luftfeuchtigkeit sinken die Tröpfchen schneller zu Boden. Bei trockener Luft verdunsten die Tröpfchen schneller, hierdurch werden sie leichter und schweben längere Zeit in der Luft, das Infektionsrisiko steigt. Die Luftfeuchtigkeit wirkt sich außerdem auf die Stabilität der Erreger aus. Je trockener die Luft, desto bessere Überlebenschancen haben Influenzaviren. Ob sich diese Erkenntnisse zu Grippeviren allerdings auf den Ausbruch von Sars-CoV-2 übertragen lassen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Quelle: Prof. Peter Jüni, Epidemiologie und Medizin, Universität Toronto, 08.05.2020, Fachblatt "↗Canadian Medical Association Journal (CMAJ)".

Behüllte Viren wie die der Influenza sind bei hohen Temperaturen tendenziell instabiler, sie werden im Sommer wahrscheinlich schneller inaktiv, ↗Nature: Price et al., Association between viral seasonality and meteorological factors 30.01.2019.

Liegen die Temperaturen zwischen null und zehn Grad Celsius ist Sars-CoV-2 im Sekret aus Nasen und Rachen lange nachweisbar. An warmen Sommertagen mit 27 Grad Celsius mit 40 Prozent  Luftfeuchtigkeit überdauerte das Virus kürzeste Zeit.  Die Gefahr von Schmierinfektionen könnte so reduziert werden, da das Virus auf Oberflächen schneller austrocknet. Quelle: ↗Effect of Environmental Conditions on SARS-CoV-2 Stability in Human Nasal Mucus and Sputum,  09.2020

 

Höhere Temperaturn verlangsamt vermutlich die Reproduktionsrate

Laut ersten Analysen könnten hohe Temperaturen die Pandemie verlangsamen, allerdings erst ab 25 Grad Celsius. Mit jedem Grad darüber sinkt die geschätzte Reproduktionsrate um etwa drei Prozent.
Quelle: Prof. Mohammad Jalali, Datenanalytiker, Harvard University, 05.05.2020, ↗Weather Conditions and COVID-19 Transmission


Welcher Abstand ist beim Radfahren nötig?

Sport bei schönem Wetter

Menschen, die für gewöhnlich Sport treiben, sollten wie gewohnt weiter machen, denn Sport stärkt das Immunsystem. Viren sinken je nach Witterung mal schneller und mal langsamer zu Boden. Sie bleiben etwas länger in der Luft, wenn es windstill ist. Bei Sonne und etwas Wind ist die Situation jedoch weniger bedenklich.

Radtouren in der Gruppe

Radtouren sollten nur abhängig von bundesweiten bzw. landesweiten Regelungen stattfinden. Es gelten immer die jeweils aktuellen Kontaktbeschränkungen sowie die Einhaltung der empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln. Wer einer Risikogruppe angehört, sollte sich genau überlegen, was für ihn wirklich in Frage kommt.


Forscher empfehlen Radfahrern 20 Meter Abstand

Die Studie [1] empfiehlt beim Gehen (5 km/h) in die gleiche Richtung einen Abstand von mindestens vier bis fünf Metern, beim Laufen und langsamen Radfahren (14,4 km/h) zehn Meter und bei schnelleren Bewegungen sogar mindestens 20 Meter.

Sinn der Studie war nicht, Sport im Freien einzuschränken, sondern, im Gegenteil, Sportlern, die weiterhin draußen Sport treiben möchten, eine gewisse Sicherheit zu geben. Man sollte allerdings derzeit starkfrequentierte Radwege meiden.

Menschen sondern beim Atmen, Husten oder Niesen kleine Tröpfchen (Aerosole) ab. Diese können sich bei körperlichen Tätigkeiten oftmals weiter als zwei Meter verteilten. Der Windschatten eines Radfahrers sei dazu geeignet, diese Tröpfchen zu transportieren. Unmittelbar im Windschatten fahrende Radler könnten diese Tröpfchen einatmen. Die Studie [1] empfiehlt daher seitlich versetztes oder wenn möglich nebeneinander Radfahren.

Quelle: ↗New research suggests runners should be further than 2m apart, www.runnersworld.com, 09.04.2020

Porf. Dr. Bert Blocken, lehrt Gebäudephysik und Aerodynamik an der Technischen Universität Eindhoven

Studie [1] (Preprint): ↗Towards aerodynamically equivalent COVID19 1.5 m social distancing for walking and running

Die Studie [1] basiert auf Computersimulationen und behandelt nur die physikalischen Effekte der Virusverbreitung. Virologische, biologische oder andere wissenschaftliche Erwägungen wurden nicht berücksichtigt. Außerdem wurde bei der Studie kein Rücken- und Seitenwind berücksichtigt.


Beim Fahrradfahren (oder Laufen und Joggen) an der frischen Luft – herrschen Bedingungen, die eine Übertragung eher erschweren. Die ausgehustete bzw. ausgeatmete Viruslast wird in der Luft rasch verdünnt und es herrscht meist ein gewisser Wind, wodurch die winzigen infektiöse Partikel rasch verweht werden.

"Draußen verdünnt sich alles, was man ausatmet, sehr rasch, somit auch das Virus. Zudem geht ja fast immer ein kleines bisschen Wind." Ob sich Viren auch über Partikel in der Luft verbreiten, ist eher eine Frage in Innenräumen.

Quelle: Prof. Dr. Christian Drosten, Institutsdirektor, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 23.03.2020,

↗Podcasts 19. Folge, www.ndr.de

Wie weit fliegen Tröpfchen?

"Direkt hinter einem Läufer oder Radfahrer reißt die Strömung ab, da halten sich Partikel in der Luft. Aber wenn Sie nicht gerade Tour de France fahren, kommen Sie sich gar nicht so nah." Sehr kleine Tröpfchen verdunsten in einem Bruchteil einer Sekunde. Große sinken schnell ab und folgen nicht dem Luftstrom. Mögliche 30 bis 40 Mikrometer große Infektionströpfchen überdauerten bei 20 Grad Celsius 20 bis 30 Sekunden.
Quelle: Prof. Dr.-Ing. habil. Bernhard Weigand, Leiter des Institut für Thermodynamik der Luft- und Raumfahrt an der Uni Stuttgart, Stand: 07.05.2020

Viruslastabhängig oder die Antwort kennt nur der Wind

Sofern der Abstand von mindestens 1,5 bis zwei Metern eingehalten wird und kein Fahren in Gruppen erfolgt ist das Risiko z.B. beim Überholen mit dem Fahrrad überschaubar. Aus epidemiologischer Sicht ist unwichtiger, wo sich die Tröpfchen befinden, als welche Menge an Übertragung auf diesem Wege stattfindet.

Prof. Dr. Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor, Institut für Virologie, Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Quelle: Kristian Bauer, 15.04.2020, ↗www.tour-magazin.de

Empfehlung des Bunds Deutscher Radfahrer

Der BDR hat in seinen Empfehlungen für den Breitensport, über Prof. Dr. Bernd Wohlfahrt seitens des DOSB, der zwei Meter (plus) Abstandsregel angeschlossen.  Stand: 20.05.2020


Radel-Pause „im“ oder lieber „vor“ dem Café?

Der Streit zwischen Lüftern und Nichtlüftern ist entschieden. Je mehr es im Café zieht desto besser. Fenster und Türen müssen möglichst offen stehen, damit sich Aerosole verflüchtigen. Bestehende Belüftungssysteme sollten um Absaug- und Luftfilterungssysteme und/oder keimtötendes, ultraviolettes Licht erweitert werden.

Es sollte möglichst ein Platz draußen benutzt werden. Da kommt es praktisch nicht zu Infektionen. Draußen schützt der Luftzug vor einer Coronavirus-Infektion. In Innenräumen gilt, selbst bei ausreichendem Luftaustausch alle sechs bis zehn Minuten gebe es keine hundertprozentige Garantie und die ständige Desinfektion von Oberflächen bringen für die Verhinderung einer Infektion relativ wenig. [1]
Quelle [1]: www.dw.com, 23.05.2020, Prof. Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universitätsmedizin Rostock


Nach dem Radeln noch ein Sprung in den Pool?

Im Badewasser von Schwimmbädern finden sich nach aktuellem Kenntnisstand unter Berücksichtigung der üblichen Maßnahmen keine relevanten Konzentrationen an SARS-CoV-2 sodass, kein großes Ansteckungsrisiko besteht. Mögliche Einträge durch infizierte Personen sind zwar möglich, eine Ansteckung erscheint aber wegen der Verdünnung und des Chlors im Wasser äußerst unwahrscheinlich. Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden möglicherweise zu einer noch stärkeren Inaktivierung in das Wasser eingetragener Viren führen. Gegen eine Infektion im Wasser spricht die Tatsache, dass es sich bei Sars-CoV-2 um ein behülltes Virus handelt, das nicht besonders lange im Wasser überleben kann. Kontakte zwischen Badegästen an der Kasse, in den Umkleideräumen oder Toilettenanlagen sind gefährlicher. Auch beim Schwimmen sollte mindestens 1,50 Meter Abstand eingehalten werden, und es empfieht sich kein Wasser zu verschlucken und eventuell eine Schwimmbrille zu tragen.

Viren haben nach einer Untersuchung des Umweltbundesamtes im gechlorten Wasser keine Überlebenschance.

Quellen: Umwelt Bundesamt ↗Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Badegewässer, 27.03.2020
Stellungnahme des Umweltbundesamtes: ↗Coronavirus SARS-CoV-2 und Besuch in Schwimm- oder Badebecken beziehungsweise Schwimm- oder Badeteichen, 12.03.2020

92,5 Prozent aller deutschen Badegewässer weisen 2019 eine ausgezeichnete Wasserqualität auf.
Quelle: Badegewässerbericht der Europäischen Umweltagentur EEA, www.eea.europa.eu ↗Germany 2019 bathing water report, 08.06.2020

Sport in Fitnessstudios?

Ob Sport in geschlossenen Räumen, nach jetzigem Stand, aus epidemiologischer Sicht sinnvoll ist, bleibt fraglich. Kleine Kursräume, schlechter Luftaustausch, viele Teilnehmer und intensive Work-outs desto wahrscheinlicher ist eine Infektion.
"Hochintensive Ausdauerdauerbelastungen sind laut Corona-Verordnung in geschlossenen Räumen untersagt. Unter hochintensiven Ausdauerbelastungen sind sportliche Betätigungen im Bereich der anaeroben Schwelle und darüber zu verstehen. Dies gilt insbesondere für (geräteunterstütztes) Konditionstraining." 30.05.2020

Aktuelles: Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums über Sportstätten für BW


...und ab mit dem Flieger?

Jedes Flugzeug hat ein Filtersystem, das die Luft im Flugzeug ständig säubert und mit neuem Sauerstoff anreichert. Alle zwei bis drei Minuten werde die Luft in der Kabine komplett erneuert, jeweils zur Hälfte durch frische beziehungsweise recycelte Luft Die Luft an Bord wird über Hochleistungsfilter geleitet. Damit sei sichergestellt, dass im Flugzeug eine Luft wie in einem Operationssaal herrsche [1].

Die Luft im Flugzeug strömt ↗laminar von oben nach unten, so könnten freigesetzte Tröpfchen auf den Kabinenboden landen. Dass sich die Passagiere hintereinander sitzen und nicht gegenüber reduziert ebenfalls die Wahrscheinlichkeit. Aber wenn viele Menschen für mehrere Stunden, auch mit einem ausreichenden Abstand zu den Nachbar sitzen, gemeinsam dieselbe Luft atmeten, ist eine Ansteckung dennoch möglich. Filter im Flugzeug halten lediglich Bakterien zurück, keine Viren [2].

Experten sind aber skeptisch, wie gut die Belüftung vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus schützt. Denn anders als in Operationssälen, wo auch Hepa-Filter eingesetzt werden, herrscht in der Kabine Unterdruck. Simulationen zeigen, dass ausgehustete Tröpfchen druch Verwirbelungen bis zu 15 Minuten lang an Bord zirkulieren können, bevor sie in der Klimaanlage gefiltert werden. Am gefährlichsten sei der Sitz direkt neben einem kranken Passagier. Die gefilterte Luft in einem Flugzeug ist lediglich so gut wie oder noch schlechter als in einem Bürogebäude. Behelfsmasken, Medizinische Gesichtsmasken (EN 14683),  rechtfertigen keinen geringen Abstand , denn diese könnten die Viren nicht über Stunden speichern. Sie würden die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Viren lediglich reduzieren. Fazit:  Erforderlich  wären  bei  dem  geringen  Abstand im Flugzeug  FFP2-Masken oder wenigstens freie Mittelplätze [3].

[1] Aage Dünhaupt ist Leiter Unternehmenskommunikation bei Tui Fly ↗www.handelsblatt.com, 04.05.2020

[2] Prof. Dr. med. Dr. PH Timo Ulrichs, Epidemiologe, Akkon Hochschule Berlin

[3] Prof. Dr. Dieter Scholz der Aircraft Design and Systems Group (AERO), Sommer 2020, COVID-19, Fliegen: ja oder nein? Vorsicht: Gesundheitsrisiko und unklare Rechtslage! 05.06.2020

und im Zug?

Auch im Zug ist mit einem Risiko von 3,5 Prozent der Sitz neben einem Infizierten am gefährlichsten. Blieben mindestens zwei Sitze frei, sinkt das Risiko unter ein Prozent. Auch für Reisende, die vor oder hinter dem Menschen mit Infektion sitzen liegt die Gefahr bei einem Prozent. Nach zwei Stunden gemeinsamer Fahrt kann ein Abstand von 2,5 Meter nicht mehr ausreichen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Fazit auch hier: Bei  dem  geringen  Abstand FFP2-Masken.

Quelle: ↗The risk of COVID-19 transmission in train passengers: an epidemiological and modelling study , 29. Juli 2020


Noch Fragen?

Ist das tragen von Handschuhen sinnvoll?

Handschuhe können ein falsches Sicherheitsgefühl erwecken. Während der Benutzung werden sie kontaminiert. Das Tragen von Handschuhen bewirkt in Hinblick auf die Weitergabe von Keimen mit den Händen keine Verbesserung. Wer die Handschuhe nicht richtig auszieht - also während des Abstreifens Kontakt mit der nach außen gekehrten Oberfläche der Handschuhe hat - und sich danach nicht sorgfältig die Hände wäscht, erhöht sein Ansteckungsrisiko.
Werden flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen, so bildet sich ein Feuchtigkeitsstau, was wiederum leicht zu Hautproblemen führen kann (z. B. trockene Haut, Juckreiz, Rötung). Es wird die Verwendung von Unterzieh-Baumwollhandschuhen sowie häufige Handschuhwechsel empfohlen. Bei Reinigungsarbeiten, z. B. mit Flächendesinfektionsmitteln, kann die Anwendung von Schutzhandschuhen erforderlich sein, hier sind die Herstellerangaben zu beachten.

Gesichtsvisieren bieten weniger Schutz als Masken

Das Robert Koch-Institut und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kommen zum Schluss, dass die alleinigen Verwendung von Gesichtsvisieren einen ungenügenden Schutz vor einer Infektion bietet, da sie nicht vor erregerhaltigen Aerosolen schützten. Die Gesichtsvisieren könnten in der Regel nur die Tröpfchen abfangen, die direkt auf der Scheibe landen, durch den Spalt zwischen Gesicht und Visier können Aerosole ungehindert in die Raumluft gelangen. Ein textiler Mundschutz, insofern er gut anliegt, kann hingegen auch das Vorbeiströmen der Tröpfchen an den Seiten verhindern und die Atemluft abbremsen.

In einem Beitrag im Journal Physics of Fluids, 08.2020, ist sehr bildhaft dargestellt, dass die Schilde zwar angenehmer zu tragen sind, als Masken. Vor einer möglichen Ansteckung schützen sie jedoch – wenn überhaupt – weit weniger gut.
Fremdschutz vs. Selbstschutz
Das Kunststoffvisier ist ideal, um sich gegen die klassische Tröpfcheninfektion zu schützen, es dient als Spuckschutz und schützt auch die Augenschleimhäute. Im professionellen, medizinischen Bereich wird deswegen der Mundschutz auch stets um Schutzbrille oder Visier erweitert.

Geht es darum um andere vor einer Ansteckung zu schützen, ist das Visier dem Mundschutz etwas unterlegen. Insbesondere die sogenannten Aerosole könnten durch textile Bedeckungen besser aufgefangen werden.

Coronaviren einfach mit Mundwasser wegspülen?

Im Gegensatz zu den meisten Lungenerkrankungen findet beim Coronavirus die Vermehrung der Erreger erst einmal längere Zeit im Mund- und Rachenraum statt. Wenn es gelingt, schon dort die Zahl der Viren klein zu halten, könne man die Schwere der Erkrankung massiv reduzieren. Ohne Krankheitssymptome oder einen konkreten Ansteckungsverdacht brauche man die professionellen Mundspüllösungen aber nicht verwenden, Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Regiomed-Hygiene-Institut 28.05.2020

An der Cardiff University, Wales, konnte anhand früherer Studie nachgewiesen werden, dass Mundwassersorten mit einem geringen Anteil an Ethanol, Povidon-Jod und Cetylpyridiniumchlorid in der Lage sind, Viren aus der Gruppe der „umhüllten Viren“ zu eliminieren. Die Hülle, bei der es sich um eine Lipidmembran handelt, wird zerstört und somit die Infektion von Zellen verhindert. 25.05.2020


Wie wichtig ist Kontaktverfolgung?

Infektionsfälle werden meist erst mehrere Tage nach dem Auftreten von Symptomen erkannt. Man bekommt Fieber, und geht am nächsten Tag erst zum Arzt. Im ungünstigen Fall vergehen weitere zwei Tage bis man Gewissheit hat. Perfiderweise ist man aber zu diesem Zeitpunkt kaum noch infektiös. Untersuchungen zeigen, dass die infektiöse Phase etwa eine Woche dauert, die ersten zwei Tage liegen dabei vor dem Symptombeginn.
Jetzt muss zurückgeblickt werden, mit wem war man zwei Tage vor Symptombeginn in Kontakt. Oder noch besser und wichtiger zur Infektionsquell-Gruppenverfolgung: wo war man eine Woche vor dem Auftreten der Symptome. Die Mitglieder dieser Infektionsquelle könnten hochinfektiös sein, ohne es zu wissen und müssen sofort in Heimisolierung. Für Tests fehlt die Zeit.


Hoffnung

Bisher ist der Grippe-Impfstoff die einzige Immunisierung gegen Viren, die wie das Coronavirus die Atemwege angreifen. Dieser schützt von Jahr zu Jahr unterschiedlich gut, je nachdem, welche Grippeviren kursieren. Sars-CoV-2 verändert sich jedoch langsamer als Influenzaviren. Noch gibt es deshalb die Hoffnung, dass eine Impfung den Erreger zuverlässig ausschalten kann. Wie lange geimpfte Menschen vor einer Infektion gefeit sein werden, hängt jedoch auch davon ab, wie das Virus mutiert.

Nach wie vor weiß niemand, ob eine Infektion komplett immun macht und wie lange dieser Schutz anhält. Bei anderen Coronaviren etwa verlieren Menschen nach Monaten oder wenigen Jahren wieder ihre Immunität. Stand: 01.07.2020

Im Unterschied etwa zu den Influenzaviren, bei der viele Menschen bereits eine gewisse Immunität haben, ist das Sars-CoV-2 ein vollkommen neues Virus. Es gibt auch noch keine gesicherten Erkenntnisse, wie hoch der Antikörperspiegel sein muss, um vor einer erneuten Ansteckung zu schützen. Daneben gibt es auch Immunzellen im Körper von Genesenen gibt, die das Virus selbst bekämpfen oder wieder Antikörper bilden, wenn es erneut eindringt.

Da das Sars-CoV-2 eventuell ein paar Gemeinsamkeiten mit den verwandten harmlosen Coronaviren hat, könnten Menschen einen Schutz (Kreuzimmunität) gegen schon bekannte und banale Coronaviren aufgebaut haben und damit bessere Abwehrkräfte gegen das neue Virus aufweisen. Jede immune Person bremst das Virus. Sobald sich jemand infiziert, der überwiegend von Immunen umgeben ist, kann der Erreger sich nicht weiterverbreiten. Je mehr Menschen immun sind, desto häufiger werden Infektionsketten unterbrochen.


Anmerkung zum Schluss

Was rechtlich erlaubt ist, ist nicht automatisch auch moralisch in Ordnung. Oder anders ausgedrückt: Wenn man sich nicht vorstellen kann, dass alle so handeln wie man selbst, oder wenn das, was herauskäme, niemand wollen kann, dann sollte man es nicht tun. Jeder Einzelne trägt eine moralische Mitverantwortung für das Gelingen der Prävention, die über das bloße Befolgen von Regeln hinausgeht.
Man neigt leider psychologisch dazu, immer genau das als dem Augenschein nach unbezweifelbar Erkennbare zu verwenden, was einem lieber ist und sucht deshalb selektiv die Daten zusammen, die dies bestätigen. Das sogenannte Wunschdenken passiert meist weitgehend unbewusst.